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Flusskrebsuntersuchung im Gleinkersee

Der Gleinkersee in Spital am Pyhrn (OÖ) ist eines der wenigen Gewässer, das noch von Edelkrebsen (Astacus astacus) besiedelt ist. Europaweit wird die heimische Krebsart durch die zunehmende Verbreitung des, ursprünglich aus Amerika stammenden, Signalkrebses (Pacifastacus leniusculus) verdrängt. Mit dem Signalkrebs wurde auch die Krebspest (Aphanomyces astaci) eingeschleppt. Die Tierseuche führt im Regelfall zu Massensterben heimischer Flusskrebse und kann unter Umständen auch durch den Menschen verbreitet werden.


Aufgrund der akuten Gefährdung des Edelkrebses liegt ein großes Augenmerk des Artenschutzes auf den letzten verbliebenen Gewässern, die mit heimischen Flusskrebsen besiedelt sind. Aus diesem Grund wurde im Rahmen eines Artenschutzprojekts des Amts der Oö. Landesregierung die Notwendigkeit einer eingehenden wissenschaftlichen Untersuchung des Flusskrebsbestands im Gleinkersee erkannt.


Das vom Büro blattfisch e.U. in Zusammenarbeit und mit finanzieller Unterstützung durch das Geschäftsfeld Fischerei der Österreichischen Bundesforste AG dazu erarbeitete Untersuchungsdesign beinhaltet neben dem gut erprobten Einsatz von Krebsreusen und der bewährten Uferkartierung in watbaren Gewässertiefen, auch Kartierungen in tieferen Bereichen des Sees, die den Einsatz von Schnorchlern und Tauchern erfordern. Nach Vorliegen einer behördlichen Ausnahmegenehmigung zur einmaligen Betauchung des Gleinkersees für wissenschaftliche Zwecke, wurde im Frühjahr 2021 mit der Organisation der Untersuchung und der Zusammenstellung eines Teams begonnen.


Schließlich fand sich am 18. und 19. Juni 2021 eine Gruppe aus Biologen, Gewässerökologen und versierten Tauchern am Gleinkersee ein, um dem Flusskrebsbestand auf den Grund zu gehen. Am ersten Tag fand ein Workshop mit allen 14 Teilnehmern statt. Dabei wurden zum einen die Biologie und die Merkmale der Flusskrebse und der Krebspesterreger erläutert und zum anderen gemeinsam die Methodik zur Erfassung der Flusskrebse erarbeitet. Der Wissensaustauch von Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen führte zu einem reibungslosen Ablauf der Untersuchung am Folgetag. Vor Beginn der eigentlichen Untersuchung wurde am Samstagmorgen die gesamte Ausrüstung inklusive der Taucheranzüge fachgerecht desinfiziert, um die Verbreitung von Krebspesterregern ausschließen zu können. Insgesamt konnten an dem Tag 123 Edelkrebse in unterschiedlichen Wassertiefen nachgewiesen werden, wobei sich der Großteil der Tiere in den flachen Uferbereichen mit höheren Wassertemperaturen aufhielt. Demnach handelt es sich beim Gleinkersee um eines der letzten natürlichen Gewässer, das einen guten Edelkrebsbestand aufweist. Signalkrebse konnten im dritten Jahr in Folge im See keine festgestellt werden. Dies lässt hoffen, dass die Edelkrebse im Gleinkersee weiterhin einen gesicherten Bestand bilden können.


Zusammenfassend wurde mit der Flusskrebsuntersuchung am Gleinkersee eine neue Erhebungsmethodik für Flusskrebse erprobt, die ausgesprochen gut funktioniert hat und erfreuliche Ergebnisse lieferte. Die fachlichen Inputs und der tatkräftige Einsatz aller Teilnehmer führten zu qualitativ hochwertigen Kartierungsergebnissen, wofür wir uns bei allen Mitwirkenden bedanken möchten. Insbesondere gilt unser Dank den folgenden Herrschaften:


Andreas Haas (Österreichische Bundesforste AG), herzlichen Dank für die Stoffsackerl: Jetzt wissen wir, wo die Natur zu Hause ist. Da Natur allein nicht glücklich macht, hast du obendrein für eine vortreffliche Unterbringung mit Verpflegung gesorgt! Wir haben es alle genossen.


Markus Meissner (wirtauchen.at; Österreichisches Ökologie Institut), deine Expertise war beim Methodik-Workshop am Freitag ebenso gefragt und hilfreich, wie bei der sicheren Abwicklung der Untersuchung am Samstag. Es war ein gutes Gefühl, an professionell geplanten Tauchgängen teilzunehmen.


Gerald Kapfer (Unterwasser-Fotograf), ohne dich hätten wir erstens nicht gewusst wohin und zweitens wäre uns die Luft ausgegangen. Deine Ortskenntnis war für die Planung überaus wichtig und ohne deine Flaschen wäre die Untersuchung deutlich kleiner ausgefallen.


Klaus Dutzler (Gasthaus Seebauer, Fischereilicher Bewirtschafter des Gleinkersees), herzlichen Dank für das Entgegenkommen, die Bereitstellung der Infrastruktur und das Essen am Samstag. Wir fühlten uns vor Ort sehr willkommen und wurden bei allen Anliegen stets unterstützt (Zufahrt, Ruderboot, Tischreservierung, etc…)


Samuel Auer, als Schrift- und Bootsführer, hast du trotz mehrerer Transportfahrten mit Abstand am meisten Krebse zu Gesicht bekommen.

 

www.bundesforste.at

www.wirtauchen.at

www.ecology.at